Die Kunst, in Beziehung zu sein. Sozialästhetische Erkundungen zwischen Menschen, Mitwelt und Dingen
Zeit & Ort
20. Feb. 2027, 10:00 – 24. Apr. 2027, 15:00
Budde-Haus – Soziokulturelles Zentrum Le, Lützowstraße 19, 04157 Leipzig-Gohlis, Deutschland
Über die Veranstaltung
Die Kunst, in Beziehung zu sein
Sozialästhetische Erkundungen zwischen Menschen, Mitwelt und Dingen
Konzeption und Durchführung: Jirko Krauß · ZWISCHEN · Institut für sozialästhetische Praxis und Sorgekultur – eine Initiative der Philosophischen Praxis Dr. Jirko Krauß und des Transformatorenwerks Leipzig
Die Art, wie jemand Tee einschenkt, wie ein Tisch gedeckt ist, wie eine Nachbarin grüßt, wie wir mit einem abgenutzten Gegenstand umgehen: All das sind kleine, meist unbeachtete Ereignisse – und doch entscheidet sich in ihnen viel von dem, was wir gelingendes Zusammenleben nennen. Es gibt Begegnungen, nach denen wir aufgerichtet weitergehen, und solche, die uns leise verstimmen. Und es gibt Räume, in denen wir aufatmen, und Räume, in denen wir uns verschließen – oft ohne sagen zu können, woran es liegt.
Die Philosophie hat für dieses unscheinbare Geschehen ein eigenes Vokabular entwickelt: Sie erkundet das Zwischen, jenes Feld der Begegnung, das wir nie nur betrachten, sondern immer mitgestalten. Sie versteht Zuwendung und Aufmerksamkeit als einen gerechten, liebevollen Blick – und damit als moralische Tätigkeit. Sie beschreibt als Resonanz jene Momente, in denen uns die Welt anspricht und wir ihr antworten können. Sie nimmt die Dinge ernst: Ein Tisch, ein Werkzeug, ein Fenster sind nicht nur da – sie zeigen sich, strahlen in den Raum und stimmen ihn mit. Wer das wahrnimmt, geht anders mit ihnen um. Und sie fragt nach Stil und Vollzug, weil es nie nur darauf ankommt, dass etwas getan wird, sondern immer auch darauf, wie. Vieles davon läuft in der Care-Ethik zusammen: Sie versteht Sorge nicht als ein Thema neben anderen, sondern als Grundzug des In-Beziehung-Seins – als relationales Geschehen, in dem Aufmerksamkeit, Zuwendung und der Blick für das konkrete Gegenüber zusammenwirken.
Genau diesem Feld gelten unsere Erkundungen. Die Leitfrage: Wie prägen Aufmerksamkeit, Resonanz und Atmosphären unser In-Beziehung-Sein – mit Menschen, Mitwelt und Dingen? Und was hieße es, dieses In-Beziehung-Sein als ein Geschehen wechselseitiger Sorge zu begreifen – und damit als etwas, das sich gestalten lässt?
Gemeinsam erkunden – keine Vortragsreihe
Wir treffen uns als kleine, feste Gruppe an fünf Samstagen. Sie nehmen nicht an einem Kurs teil, der lediglich Wissen vermittelt – Sie erkunden mit – und vieles zeigt sich nur gemeinsam. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen: solche, die wir gemeinsam machen, und solche, die jede und jeder mitbringt – und der Austausch über sie. Unser Feld ist der eigene Alltag: Zwischen den Terminen beobachten und sammeln wir; an den Terminen sichten wir gemeinsam, experimentieren und denken weiter. Kurze Impulse aus der Philosophie geben uns dabei Begriffe an die Hand, mit denen sich die eigene Erfahrung schärfer fassen lässt.
Was wir konkret tun werden: Wahrnehmungs- und Sprachexperimente (für welche Erfahrungen fehlen uns eigentlich die Worte?), Atmosphären-Erkundungen von Räumen und Orten, Beobachtungsaufgaben im Alltag zwischen den Treffen, Gespräche zu zweit und in der Gruppe – und vielleicht ein gemeinsames Essen als sozialästhetisches Experiment.
Was dabei herauskommt, ist offen – das gehört zum Erkunden. Denn das Entscheidende lässt sich hier nicht herstellen wie ein Ergebnis: Es stellt sich ein – im gemeinsamen Tun, zwischen uns, so wie man in ein gutes Gespräch gerät, ohne es erzwingen zu können. Gut möglich, dass sich unterwegs der Blick auf den eigenen Alltag verschiebt: auf Begegnungen, Räume, Beziehungen.
Der Weg
Fünf Etappen geben dem Weg seine Richtung. Im Zentrum steht das Engagement: die Erfahrung, dass wir am Miteinander nie bloß Zuschauer sind, sondern immer schon Beteiligte, die es mitprägen. Von dort aus erkunden wir die Ästhetik des Alltäglichen, die Zuwendung und die Art unserer Aufmerksamkeit füreinander, die Resonanz, in der uns die Welt anspricht und wir ihr antworten, und die Atmosphären, die Räume und Situationen prägen – und immer wieder das, was uns im Alltag widerfährt, ohne dass wir es tun oder erleiden. Quer durch alle Etappen läuft dabei die Sorge – als die Weise, in der sich In-Beziehung-Sein konkret vollzieht: für Menschen wie für Mitwelt und Dinge, und immer auch als Frage von Stil und Vollzug. Am Ende bündeln wir, was wir gefunden haben, und fragen: Wie lässt sich das Zwischen gestalten? Die genaue Ausgestaltung der einzelnen Treffen entsteht unterwegs – auch mit Blick auf das, was die Gruppe entdeckt.
Im Hintergrund begleiten uns dabei Denkerinnen und Denker der Gegenwartsphilosophie – allen voran Arnold Berleant, der das Feld der Sozialästhetik maßgeblich begründet hat, dazu Yuriko Saito, Iris Murdoch, Hartmut Rosa, Nel Noddings, Gernot Böhme, François Jullien und Rolf Elberfeld. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – Neugier auf den eigenen Alltag genügt.
Termine, Ort, Umfang
Fünf Samstage: 20. Februar, 6. März, 20. März, 10. April und 24. April 2027, jeweils 10 bis 15 Uhr.
Ort: Budde-Haus · Lützowstraße 19 · 04157 Leipzig.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; die Anmeldung gilt für die gesamte Reihe, denn die Gruppe ist Teil des Vorhabens.
Teilnahmebeitrag
Diese Reihe soll für alle erschwinglich sein, die dabei sein möchten. Deshalb gibt es gestaffelte Beiträge, und Sie wählen selbst, ohne Nachweis, welcher zu Ihrer Situation passt:
– 150 € Solidarbeitrag – wer kann, zahlt mehr und ermöglicht anderen die Teilnahme
– 125 € Normalbeitrag
– 100 € ermäßigt – für Menschen mit geringem Einkommen sowie für Fördermitglieder des TWL
Dass wechselseitige Sorge schon beim Beitrag beginnt, ist übrigens kein Zufall – sie ist unser Thema.
Verschenken
Ein Platz in dieser Gruppe ist ein Geschenk für Menschen, denen man ungern Dinge schenkt – weil sie sich eigentlich Erfahrungen und Gespräche wünschen. Erhältlich sind Gutscheine für die komplette Teilnahme, über 50 € oder über eine frei gewählte Summe. Gutscheine können auch für die zweite Reihe eingelöst werden, die im Herbst 2027 zum Thema Zeit beginnt.
Link zur Anmeldung: https://www.philopraxis-leipzig.de/event-details/die-kunst-in-beziehung-zu-sein-sozialasthetische-erkundungen-zwischen-menschen-mitwelt-und-dingen